Radikal denken, verbindend gestalten

Extreme sind ja nichts, womit wir so gut umgehen können. Wir fühlen uns wohl im Vertrauten, treffen Entscheidungen aus der eigenen Erfahrungswelt heraus und bleiben gerne in unserer Komfortzone. Alles ganz normal.
Aber fatal, sobald wir für andere Personen entscheiden – und das tun wir täglich als Unternehmerinnen, als Gestalter, in der Politik. …

In der aktuellen Ausgabe von CareInvest erschien ein Artikel von Veronika Egger zum Thema ganzheitliches Gestalten / Universal Design. Anlass dazu war ihr Vortrag am 8. Tag der Wohnungswirtschaft im Rahmen der Altenpflegemesse 2019.

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Titelseite von CareInvest 18.19 und ein Foto von Veronika Egger auf der Bühne mit dem Moderator des 8. Tags der Wohnungswirtschaft, Michael Schlenke.
Titelseite von CareInvest 18.19 und Veronika Egger mit dem Moderator des 8. Tags der Wohnugswirtschaft, Michael Schlenke. Foto: Daniel George

Komfortbad ist kein Luxus

Artikel im Österreichischen Installateur, 12/2018, von Veronika Egger und Christian Höfner

Keine Frage, wir sind anspruchsvoller geworden, und die Nasszelle von einst hat schon lange ausgedient. Wohlfühlen, sich etwas Gutes tun, für sich selbst Zeit nehmen – vielleicht ist das der echte Luxus. Aber was heißt eigentlich Komfort?

Unser Platzbedarf ist jedenfalls deutlich gestiegen, im Schnitt ist das deutsche Bad derzeit 9,1 m2 groß, laut einer Studie der deutschen Sanitärwirtschaft von 2017 . Dieselbe Studie besagt auch, dass bei den Eigenschaften des Raums „altersgerecht“ nach „zweckmäßig“ und „pflegeleicht“ in der Rangliste an dritter Stelle steht. Und bodengleiche Duschen haben zwischen 2011 und 2017 von 7 auf 17 Prozent zugelegt.

Wenn Wohnraum knapp und eine Frage der Leistbarkeit ist, dann ist die Luft schon sehr dünn bei der Suche nach einem Bad mit ausreichender Größe, das modernen Nutzungsansprüchen gerecht wird. Sorgfältige Planung und Beratungskompetenz sind gefragt, damit auch auf kleinem Raum nicht nur ein zweckmäßiges, sondern ein komfortables Bad entsteht.

Seit mittlerweile 12 Jahren setzt sich der Verein design for all unter anderem dafür ein, dass sich die gebaute Umgebung an den Anforderungen der Menschen orientiert. Individueller Komfort darf dabei keine Preisfrage sein. Die Herausforderung ist vielmehr, herauszufinden, was der Komfort-Hierarchie der jeweiligen Kunden entspricht: was ist ihnen wichtig, was muss besonders beachtet werden? Die Beratungsqualität offenbart sich, wenn im Rahmen der Möglichkeiten die Erwartungen der Kunden übertroffen werden.

„DAS Komfortbad“ existiert also nicht, sollte aber gerade mit Hinblick auf altersgerechte Ausstattung wesentliche Elemente bei der Planung berücksichtigen. Funktionaler Mehrwert und Komfort können durch einige einfache Fragen erreicht werden: Habe ich eine Sitzgelegenheit? Kann ich Bedienelemente (Armaturen, Möbelgriffe) sowohl aus der stehenden, als auch aus der sitzenden Position erreichen? Ist die Möblierung flexibel nutzbar?
Rutschhemmende Bodenbeläge ohne Stolperfallen fördern das Sicherheitsgefühl für ältere Bewohnerinnen, ebenso geeignete Haltemöglichkeiten auch bei seifigen und nassen Händen – wie zum Beispiel eine stabile Schubstange in der Dusche oder der Handtuchhalter.

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Universal Design Competition: Zwei Beispiele für bisher prämierte Beiträge aus der Sanitärindustrie: Bad-Möbel Programm Flex von Burgbad und Villeroy & Boch, O.novo Kids.

Modulares Badezimmer, die Elemente sind an Sprossenwandartigen Raumteilern aufgehängt.
Burgbad, prämiert 2017: Das Bad-Möbel Programm Flex passt sich an den Lebenszyklus des Benutzers an und bietet eine Vielzahl an Funktionen, die dabei helfen, die tägliche Nutzung in jedem Alter zu erleichtern. Foto: Burgbad

Waschtisch und WC in unterschiedlichen Größen udn Höhen, auch eineinziger WC-Deckel kann drei verschiedene Größen haben. Die Gößen sind in jeweils andere Farben ausgeführt.
Villeroy & Boch, prämiert 2018: O.novo Kids ist eine Badkollektion für Kinder unterschiedlichen Alters. Kindgerechte Abmessungen und ein motivierendes Farbkonzept ermöglichen eine sichere und intuitive Bedienbarkeit. Foto: Villeroy & Boch
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Einige Komfortaspekte kosten tatsächlich Geld, können sich aber als generationenübergreifende Investition bezahlt machen. In Mehrgenerationenhaushalten bekommt der Begriff „altersgerecht“ eine weitere Dimension, es ist oft keine Lösung, die Badewanne durch eine bodenbündige Dusche zu ersetzen. Kinder lieben die Badewanne, ein Vollbad wirkt entspannend, oder könnte aus medizinischen Gründen empfohlen werden. Duschbadewannen haben diesen Markt erobert, in der Top-Ausstattung sogar mit Sitz und Hebelift, die in keiner Weise an die klassische Gestaltung von Hilfsmitteln erinnern.

Ein privates Komfortbad ist wahrscheinlich nur in Ausnahmefällen ein barrierefreies Bad im Sinn der ÖNORM B1600. Es ist aber eine Tatsache, dass bei Berücksichtigung von Aspekten der barrierefreien Gestaltung wie Bewegungsraum, Geh-, Steh- und Griffsicherheit sowie Erreichbarkeit und Bedienbarkeit komfortable Lösungen entstehen – für alle Menschen.

Nicht nur dekorativ: Licht, Farbe, Oberflächengestaltung

In der oben genannten Studie steht auch Tageslicht ganz oben auf der Wunschliste. Das ist nicht immer möglich, aber gerade die Komfortaspekte Beleuchtung, Farbe, Oberflächen und Akustik sind sowohl funktional als auch atmosphärisch enorm wirksam, mit zumeist nur geringen Mehrkosten. Helles Licht in einer angenehmen Lichttemperatur erleichtert alle Tätigkeiten im Bad, warme Zusatzbeleuchtung unterstützt dann die wohnliche Atmosphäre. Oberflächenbeschaffenheit und Farben sind nicht nur dekorativ, sie sorgen für gute Kontraste, Griff- und Rutschsicherheit. Textile Oberflächen wie zum Beispiel Stoffjalousien wirken nicht nur behaglich, sie verbessern auch die akustischen Eigenschaften eines Raums.

Intelligente Lösungen durch gut durchdachte Anordnungen, Produktauswahl und „weiche“ Gestaltungsaspekte sind in allen Preisklassen möglich. Spezialisten mit Knowhow für nutzerzentrierte Badplanung machen aus jedem Bad ein Komfortbad.

Gedanken zum Generationenbad

Artikel von Veronika Egger, erschienen in der Fachzeitschrift Der österreichische Installateur 11/2017.
Artikel lesen: Gedanken zum Generationenbad

Bad in Modulbauweise in zwei Versionen: einmal mit normalem WC und Waschmaschine, einmal mit offenem Duschbereich und ergänzten Haltegriffen. Die seriell vorgefertigten Elemente können nahtlos und ohne bauliche Eingriffe aneinandergereiht werden.
Projekt der TU München, in dem ein “Systembaukasten Geschosswohnungsbau” entwickelt wurde, der modulare Veränderbarkeit sowohl des Sanitärraums, als auch des gesamten Wohnraums ermöglicht. Durch Nutzung der Potenziale industrieller Prozesse können mit seriell vorgefertigten Elementen Wohnbereiche je nach Anforderung konfiguriert werden. Mit diesem Projekt waren sie einer der Preisträger der Universal Design Award 2017.
Foto: Moritz Segers und Hannes Gumpp, Technische Universität München

Bibliothek für Alle

titelseite der Zeitschrift mit Piktogrammen für unterschiedliche Beeinträchtigungen.Die Fachzeitschrift des Büchereiverbandes Österreich, “Büchereiperspektiven”, hat sich in ihrer Ausgabe 2/2017 dem Thema “Barrierefreie Bibliothek” gewidmet.
Unter dem Motto “Hürden abbauen, LeserInnen gewinnen“ wird der barrierefreie Zugang als Mehrwert für alle NutzerInnen einer Bibliothek aus unterschiedlichen Perspektiven erörtert – voller Anregungen, wie Angebote leichter zugänglich gemacht werden können.
design for all-Mitglied Christel Helene Schmidt hat den Beitrag “Zugang für alle” geschrieben.

Lesen Sie hier die elektronische Ausgabe von Büchereiperspektiven 2/17

Reden wir über Qualität, nicht über Behinderung

Titelbild des Newsletters
Diese Ausgabe unseres Newsletters ist etwas Besonderes. Neben den üblichen aktuellen Themen des Newsletters lassen wir die letzten zehn Jahre Revue passieren. Wir wollen die gemeinsamen Aktivitäten feiern und bei dieser Gelegenheit unsere Mitglieder und Partner zu Wort kommen lassen. Sie erzählen, was „Design for All“ für sie bedeutet, in kurzen Zitaten und längeren Geschichten.
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NEU: Newsletter Dezember 2015

Newsletter-2-2015-cover Der neue Newsletter befasst sich mit der schleppenden Umsetzung von Design for All im Vergabegesetz, beleuchtet das veraltete Altersbild in unserer Gesellschaft, zeigt Produktentwicklungen am Puls der Zeit und wie Information inklusiv sein kann. Aktivitäten von design for all, Veranstaltungen und Ausblicke sind natürlich auch wieder dabei.
design for all-Newsletter Dezember 2015

Wenn Sie Beiträge oder Ereignisse haben, die unsere Leser_innen interessieren könnten, dann freuen wir uns über Ihre Nachtricht an: info@designforall.at

design for all-Newsletter Juni 2015

Newsletter-1-2015-cover Der aktuelle design for all-Newsletter gibt Einblicke in internationale Entwicklungen in der Wahrnehmung, Normung und Gesetzgebung im Bereich Design for All. Wir sehen außerdem, dass wieder einmal die Sanitärindustrie ganz vorne mit dabei ist wenn es um attraktive Produkte geht und darum, Barrierefreiheit zum Normalzustand zu machen. Vielversprechend ist auch der design for all-Schulwettbewerb, der dieses Jahr zum ersten Mal stattgefunden hat – mit sehr engagierten Arbeiten der Schüler_innen.
Das alles und mehr im design for all-Newsletter Juni 2015