Zertifizierte*r Experte*in für barrierefreie gebaute Umgebungen

Lehrgang 2019

Bunte Silhouetten von unterschiedlichen Menschen

Dieser modulare Kurs vermittelt ein breites Verständnis für unterschiedliche Nutzungsanforderungen, das Zusammenwirken von Gesetzen, Verordnungen und Normen sowie praktische Beispiele zur Umsetzung. Ziel ist die Gestaltung von gebauten Umgebungen mit umfassender Nutzungsqualität für alle Menschen nach dem Design for All/Universal Design-Konzept.
>> Mehr über Inhalte, Termine und Kursgebühren
Kontaktieren Sie uns für ermäßigte Kursgebühren.

Komfortbad ist kein Luxus

Artikel im Österreichischen Installateur, 12/2018, von Veronika Egger und Christian Höfner

Keine Frage, wir sind anspruchsvoller geworden, und die Nasszelle von einst hat schon lange ausgedient. Wohlfühlen, sich etwas Gutes tun, für sich selbst Zeit nehmen – vielleicht ist das der echte Luxus. Aber was heißt eigentlich Komfort?

Unser Platzbedarf ist jedenfalls deutlich gestiegen, im Schnitt ist das deutsche Bad derzeit 9,1 m2 groß, laut einer Studie der deutschen Sanitärwirtschaft von 2017 . Dieselbe Studie besagt auch, dass bei den Eigenschaften des Raums „altersgerecht“ nach „zweckmäßig“ und „pflegeleicht“ in der Rangliste an dritter Stelle steht. Und bodengleiche Duschen haben zwischen 2011 und 2017 von 7 auf 17 Prozent zugelegt.

Wenn Wohnraum knapp und eine Frage der Leistbarkeit ist, dann ist die Luft schon sehr dünn bei der Suche nach einem Bad mit ausreichender Größe, das modernen Nutzungsansprüchen gerecht wird. Sorgfältige Planung und Beratungskompetenz sind gefragt, damit auch auf kleinem Raum nicht nur ein zweckmäßiges, sondern ein komfortables Bad entsteht.

Seit mittlerweile 12 Jahren setzt sich der Verein design for all unter anderem dafür ein, dass sich die gebaute Umgebung an den Anforderungen der Menschen orientiert. Individueller Komfort darf dabei keine Preisfrage sein. Die Herausforderung ist vielmehr, herauszufinden, was der Komfort-Hierarchie der jeweiligen Kunden entspricht: was ist ihnen wichtig, was muss besonders beachtet werden? Die Beratungsqualität offenbart sich, wenn im Rahmen der Möglichkeiten die Erwartungen der Kunden übertroffen werden.

„DAS Komfortbad“ existiert also nicht, sollte aber gerade mit Hinblick auf altersgerechte Ausstattung wesentliche Elemente bei der Planung berücksichtigen. Funktionaler Mehrwert und Komfort können durch einige einfache Fragen erreicht werden: Habe ich eine Sitzgelegenheit? Kann ich Bedienelemente (Armaturen, Möbelgriffe) sowohl aus der stehenden, als auch aus der sitzenden Position erreichen? Ist die Möblierung flexibel nutzbar?
Rutschhemmende Bodenbeläge ohne Stolperfallen fördern das Sicherheitsgefühl für ältere Bewohnerinnen, ebenso geeignete Haltemöglichkeiten auch bei seifigen und nassen Händen – wie zum Beispiel eine stabile Schubstange in der Dusche oder der Handtuchhalter.

—–
Universal Design Competition: Zwei Beispiele für bisher prämierte Beiträge aus der Sanitärindustrie: Bad-Möbel Programm Flex von Burgbad und Villeroy & Boch, O.novo Kids.

Modulares Badezimmer, die Elemente sind an Sprossenwandartigen Raumteilern aufgehängt.
Burgbad, prämiert 2017: Das Bad-Möbel Programm Flex passt sich an den Lebenszyklus des Benutzers an und bietet eine Vielzahl an Funktionen, die dabei helfen, die tägliche Nutzung in jedem Alter zu erleichtern. Foto: Burgbad

Waschtisch und WC in unterschiedlichen Größen udn Höhen, auch eineinziger WC-Deckel kann drei verschiedene Größen haben. Die Gößen sind in jeweils andere Farben ausgeführt.
Villeroy & Boch, prämiert 2018: O.novo Kids ist eine Badkollektion für Kinder unterschiedlichen Alters. Kindgerechte Abmessungen und ein motivierendes Farbkonzept ermöglichen eine sichere und intuitive Bedienbarkeit. Foto: Villeroy & Boch
—–

Einige Komfortaspekte kosten tatsächlich Geld, können sich aber als generationenübergreifende Investition bezahlt machen. In Mehrgenerationenhaushalten bekommt der Begriff „altersgerecht“ eine weitere Dimension, es ist oft keine Lösung, die Badewanne durch eine bodenbündige Dusche zu ersetzen. Kinder lieben die Badewanne, ein Vollbad wirkt entspannend, oder könnte aus medizinischen Gründen empfohlen werden. Duschbadewannen haben diesen Markt erobert, in der Top-Ausstattung sogar mit Sitz und Hebelift, die in keiner Weise an die klassische Gestaltung von Hilfsmitteln erinnern.

Ein privates Komfortbad ist wahrscheinlich nur in Ausnahmefällen ein barrierefreies Bad im Sinn der ÖNORM B1600. Es ist aber eine Tatsache, dass bei Berücksichtigung von Aspekten der barrierefreien Gestaltung wie Bewegungsraum, Geh-, Steh- und Griffsicherheit sowie Erreichbarkeit und Bedienbarkeit komfortable Lösungen entstehen – für alle Menschen.

Nicht nur dekorativ: Licht, Farbe, Oberflächengestaltung

In der oben genannten Studie steht auch Tageslicht ganz oben auf der Wunschliste. Das ist nicht immer möglich, aber gerade die Komfortaspekte Beleuchtung, Farbe, Oberflächen und Akustik sind sowohl funktional als auch atmosphärisch enorm wirksam, mit zumeist nur geringen Mehrkosten. Helles Licht in einer angenehmen Lichttemperatur erleichtert alle Tätigkeiten im Bad, warme Zusatzbeleuchtung unterstützt dann die wohnliche Atmosphäre. Oberflächenbeschaffenheit und Farben sind nicht nur dekorativ, sie sorgen für gute Kontraste, Griff- und Rutschsicherheit. Textile Oberflächen wie zum Beispiel Stoffjalousien wirken nicht nur behaglich, sie verbessern auch die akustischen Eigenschaften eines Raums.

Intelligente Lösungen durch gut durchdachte Anordnungen, Produktauswahl und „weiche“ Gestaltungsaspekte sind in allen Preisklassen möglich. Spezialisten mit Knowhow für nutzerzentrierte Badplanung machen aus jedem Bad ein Komfortbad.

Erster Design for All-Award überreicht

2018 haben wir den Schritt gewagt und den Design for All-Award aus der Taufe gehoben, vorerst mit einigen Pilotprojekten. Unser erstes preisgekröntes Objekt ist der Leuwaldhof, Österreichs erste Rehabilitation für Kinder und Jugendliche in St. Veit im Pongau.

 Auf der Terrasse des Leuwaldhofs mit herrlichem Bergpanorama in's Salzachtal überreichen Veronika Egger und Peter Spitaler den Design for All-Award an die Preisträger.
v.l.n.r: Johannes Jilch, VAMED, Peter Spitaler und Veronika Egger, design for all, Thomas Bogendorfer, Leuwaldhof, Franz Laback, VAMED (Foto: Leuwaldhof)

Das Projekt wurde von design for all beratend begleitet. Wir haben bei der VAMED und dem Team von skyline architekten viel Engagement und Begeisterung erlebt, und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Im Leuwaldhof verbinden sich universelle Nutzungsqualitäten und Ästhetik mit den hohen technischen Anforderungen einer familienorientierten Rehabilitation.
Mit der Anerkennung „Design for All-Qualität“ in der Kategorie „Nutzungsqualität von gebauten Umgebungen“ würdigt design for all die kreative Umsetzung der Anforderungen für barrierefreie Nutzung.

Mehr über den design for all-Award

München mal drei

Für unsere Partneroragnisation Institut für Universal Design in Deutschland waren die letzten Wochen besonders intensiv. Die Universal Design Competition im Rahmen der Munich Creative Business Week ging über die Bühne, und parallel dazu die höchst erfolgreiche Sonderschau aveneo auf der Fachmesse Altenpflege in Hannover.

Das Österreich-Kontingent von design for all war in München gut vertreten. Veronika Egger und Martin Fößleitner als Jurymitglieder der Universal Design competition und als Teilnehmer am Symposium der IUDA, der International Universal Design Association, wo auch erstmals außerhalb Japans die japanischen Universal Design Preise vergeben wurden.

Und nicht zuletzt Veronika Egger als Keynote Referentin und Martin Fößleitner als Vortragender bei der Plenumssitzung des Forums Soziales Bayern, das mitten in der Universal Design Ausstellung stattfand.
Keynote Folien zum runterladen

Die Jurymitglieder sitzen im Plenum, sie lachen, einige haben den Arm erhoben, vielleicht um ein Votum abzugeben
Mitglieder der Consumer-Jury im Oskar-von-Miller Forum
Foto © Daniel George

Satoshi Kose übereicht einem Preisträger die Urkunde. Beide verbeugen sich. Roger Coleman und Keiji Kawahara sehen zu.
Satoshi Kose, Vorsitzender der International Association for Universal Design (IUDA) übereicht einem Preisträger die Urkunde. Links der Moderator Keiji Kawahara, Direktor der IUDA, rechts Juryvorsitzender Roger Coleman, Gründer des Helen Hamlyn Centre for Design, Royal College of Art.
Foto © Daniel George

ÖAMTC-Expertengespräch „Design für alle“

Unter dem Titel „Fair, nutzbar und ästhetisch – ein Widerspruch?“ lud der ÖAMTC am Dienstag, den 14. November, zu einem Symposium in sein Mobilitätszentrum.
Weitere Informationen über die Veranstaltung und Videostatements der Expert_innen: ÖAMTC-Expertengespräch „Design für alle“

Foto der Vortragenden: ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold, Kai Pagenkopf, Veronika Egger, Roland Krpata, Walpurga Fröhlich und ÖAMTC Migrationsmanagerin Nasila Berangy-Dadgar
v.l.n.r: ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold, Kai Pagenkopf, Veronika Egger, Roland Krpata, Walpurga Fröhlich und ÖAMTC Migrationsmanagerin Nasila Berangy-Dadgar
Foto © ÖAMTC

Gedanken zum Generationenbad

Artikel von Veronika Egger, erschienen in der Fachzeitschrift Der österreichische Installateur 11/2017.
Artikel lesen: Gedanken zum Generationenbad

Bad in Modulbauweise in zwei Versionen: einmal mit normalem WC und Waschmaschine, einmal mit offenem Duschbereich und ergänzten Haltegriffen. Die seriell vorgefertigten Elemente können nahtlos und ohne bauliche Eingriffe aneinandergereiht werden.
Projekt der TU München, in dem ein “Systembaukasten Geschosswohnungsbau” entwickelt wurde, der modulare Veränderbarkeit sowohl des Sanitärraums, als auch des gesamten Wohnraums ermöglicht. Durch Nutzung der Potenziale industrieller Prozesse können mit seriell vorgefertigten Elementen Wohnbereiche je nach Anforderung konfiguriert werden. Mit diesem Projekt waren sie einer der Preisträger der Universal Design Award 2017.
Foto: Moritz Segers und Hannes Gumpp, Technische Universität München

Bibliothek für Alle

titelseite der Zeitschrift mit Piktogrammen für unterschiedliche Beeinträchtigungen.Die Fachzeitschrift des Büchereiverbandes Österreich, “Büchereiperspektiven”, hat sich in ihrer Ausgabe 2/2017 dem Thema “Barrierefreie Bibliothek” gewidmet.
Unter dem Motto “Hürden abbauen, LeserInnen gewinnen“ wird der barrierefreie Zugang als Mehrwert für alle NutzerInnen einer Bibliothek aus unterschiedlichen Perspektiven erörtert – voller Anregungen, wie Angebote leichter zugänglich gemacht werden können.
design for all-Mitglied Christel Helene Schmidt hat den Beitrag “Zugang für alle” geschrieben.

Lesen Sie hier die elektronische Ausgabe von Büchereiperspektiven 2/17